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Jaked Off Shorts And Loaded Heads PDF Drucken E-Mail
Dass es auf dem Land mitunter recht verrückt zugeht, ist für die allermeisten Einwohner unserer Region kein Geheimnis mehr. Ganz besonders crazy wird es, wenn sich fünf junge Männer aus einem kleinen Kaff in der unterfränkischen Einöde zusammen raufen, um ein musikalisches Künstlerprojekt zu starten, das in besonderem Maße auffällig daherkommt und damit (nicht nur) alte Leute zu erschrecken. Jaked Off Shorts And Loaded Heads aus Premich sind optisch bereits eine wahre Augenweide mit den schrillen Kostümierungen und "unanständigen" Frisuren, und haben damit bereits Mut bewiesen. Auch musikalisch geht es bei den Jungs reichlich schräg zu, der Cocktail aus fiesem Gekeife, verstörenden Klangpassagen, Industrial-Sounds und neumetallischem Rock 'n' Roll wirkt auf Otto-Normal-Konsument im ersten Moment sicherlich abschreckend. Hinter der Fassade des Abgefahrenen, Undurchdringlichen, nachzuhören auch auf der letzten in Eigenregie aufgenommenen Veröffentlichung "Feeding The Future" entfaltet sich bei näherer Betrachtung jedoch eine besonders in unserer Region viel zu selten aufzufindende Kunstform: Die klangtechnische Ausgestaltung furchterregender Endzeitszenarien. Oder der Faszination des Verstört-Dunklen. Oder aber einfach nur Spaß am verbitterten Chaos.
Dem genannten Werk werden wir uns in den nächsten Tagen etwas genauer widmen, heute soll unsere Aufmerksamkeit den Personen hinter dem Ganzen gelten. Die Formation besteht in dieser Form seit 2005, und natürlich müssen für die Identifizierung der Bandmiglieder Pseudonyme herhalten. Das sind Bassist Jacky, Sänger Chopper, Keyboarder WhiteyWhite, Gitarrist Nudel-Pete und MulluMaster, der Drummer. Nicht Wenige werden sich schon des Öfteren über die Interpretation des Bandnamens Gedanken gemacht haben, wobei uns Whitey aber relativierend weiterhilft: "Eigentlich ist der Name, genauso wie so ziemlich alles was wir tun, nichts anderes als ein verzweifelter und reichlich erbärmlicher Versuch "crazy" zu wirken. Also passt er ja dann ganz gut."

Ein schöner Satz, der die Erklärung etwaiger musikalischer und textlicher Inhalte schon beinahe irgendwie vorweg nimmt. Tiefsinnigkeit sei zwar etwas Schönes und würde die Band freuen, ein Muss ist diese detaillierte Auseinandersetzung mit Allem, was die Band macht aber nicht. "Es reicht eigentlich aus, wenn der Konsument mal Lust hat, etwas "Anderes" zu sehen. Unsere Einflüsse sind ja auch nicht ungewöhnlicher, als die anderer Bands." Dass man sich dennoch nicht auf gängige Konventionen einlässt, hat auch mit dem musikalischen Umfeld zu tun, dem man hier auf dem Lande ausgeliefert ist: "Ich denke, das Leben auf dem Lande und die ständige Suche nach etwas Neuem hat uns angetrieben. Viel passiert hier ja nicht, und um etwas anderes als eine "HitCoverBand" zu sehen, muss man schon weg von hier. Also bleibt den 5 Jungs aus dem Dorf nichts anderes übrig, als einfach selbst das zu machen, wonach sie sich sehnen." Wonach sich die Band sehnt, das ist wohl vor allem, dass der zwar wichtige optische Aspekt (Jacky: "Wir glauben einfach das passende Optik und ausgelassene Performance zu einer guten Show dazugehören") dennoch nicht hinter dem musikalischen die zweite Geige spielt, was laut Whitey wohl schon des Öfteren vorgekommen ist: "Das "Kompliment": 'Ich fand die Musik, scheiße aber es war ne geile Show' hörten wir sehr lange und sehr oft. Mittlerweile hat sich's aber n bisschen gebessert." Und einen weiteren Vorteil hat es, performancetechnisch aus dem Rahmen zu fallen, wie Pete treffend und augenzwinkernd feststellt: "Wenn's auf der Bühne mal untight wird, dann hat's immernoch Style."

Trotz treuen Fandaseins gegenüber den amerikanischen Alternative-Traumtänzern Tool (gebt euch mal die nette Story auf der MySpace-Seite der Heads) gehört die Band nicht wirklich zu den Haupteinflüssen. Zugegeben ein sehr großer Schuh, den sie sich dann auch gar nicht erst anziehen wollen. "Zu den wichtigsten Genres zählen für unseren Sound wohl Crossover, Industrial und New Metal", gibt Whitey zu Protokoll und Pete ergänzt das Ganze mit ein paar Bandnamen: "..und andere Sachen aus den 90ern, wie Primus, Ministry, White Zombie oder Patton-Stuff." (Anm. des Verf.: Mike Patton ist unter anderem als Sänger der Crossover-Band Faith No More bekannt). Jacky geht sogar noch weiter: "Solange es gut gemacht ist, ist es egal welches Genre. Dann kann das auch gern mal ein Pop-Song sein."

Vielseitige Interessen also, die sich durchaus im Sound der Heads wiederfinden. Da kommt es dann auch schonmal vor, dass das Live-Publikum ein bisschen verwundert aus der Wäsche schaut, vor allem in Kombination mit der wirklich abgefahrenen und energischen Show. "Die besten Livemomente hat man bei den ersten und den letzten Songs. Am Anfang merkt man, dass das Publikum nicht weiß was es erwartet und man stößt den meisten Leuten noch vor den Kopf. Am Ende hat man dann vielleicht doch den ein oder anderen überzeugt." Überzeugen lassen sich die unterschiedlichsten Freunde härterer Musik. Für Jacky ist es besonders erfreulich, "dass wir sowohl mit Metal-Bands, als auch mit Hardcore-, Post-Rock- oder auch Punk-Bands spielen können." Auf ein Genre kann und will man sich indes nicht festlegen. "Ein wirkliches Zielpublikum haben wir eigentlich nicht. Jeder, der drauf steht, ist uns herzlich willkommen", wie Pete mich umgehend wissen lässt. Jacky hätte aber eine Idee, wenn man ihm einer Genrebezeichnung zwingen müsste: "In nem Review wurde uns mal der Stil 'Industrial Weirdo Core' angeheftet. Der ist schon irgendwie passend und ist auch hängen geblieben."

Dass die Heads sich ein klein wenig Mysterium dennoch bewahren möchten, fällt auf, wenn man sie nach ihren Hauptberufen fragt. Whitey fasst es kurz und schmerzlos zusammen: "Jacky dreht vorwiegend StopMotion Kurzfilme, Nudel-Pete ist ein von Hass durchwachsener Restaurant-Kritiker, MulluMaster ist professioneller Schafkopf- und Dartspieler während ich fränkischen BioHonig in der Großstadt Berlin vertreibe. Lediglich Chopper ist einfach nur 'Bad and Mad'."

Das aktuelle Album kann man übrigens HIER kostenlos downloaden, auf der MySpace-Seite der Band (www.myspace.com/jakedoff) gibt es außerdem regelmäßige Updates. Ein kleiner Deutschlandtrip ist auch geplant, im Herbst soll es mit Shizophrenic Sound System auf Tour gehen.

Wer jetzt Interesse getankt hat, sollte die Möglichkeit nutzen, sich die Heads mal live anzusehen. Zeit für ein bisschen Craziness ist schließlich immer.

Heiko Eschenbach
 
 
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