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Brauchtum
Hölderlinstube in Waltershausen PDF Drucken E-Mail

Neue Gedenkstätte für den Dichter Friedrich HölderlinTurmzimmer im Schloß Waltershausen eingerichtet Markt Saal-Waltershausen (hf). Im Schloß Waltershausen in der Marktgemeinde Saal wurde am Sonntag die neue Hölderlin-Gedenkstätte eröffnet. Es ist dies eine kleine Turmstube, in der 1793 bis 1795 der Dichter Friedrich Hölderlin wohnte. Er war dort als Hauslehrer angestellt und sollte den 10-Jährigen Sohn der Schlossbesitzerin Charlotte von Kalb erziehen. Hölderlin war auf Vermittlung von Friedrich von Schiller nach Waltershausen gekommen. Das als kleine Gedenkstätte eingerichtete Zimmer ist in dem Stil noch vorhanden wie es wohl zu Hölderlins Zeiten ausgesehen haben mag. Es gibt ein schmales Holzbett, Regale an der Wand und einen Holztisch mit Stuhl und Kerzenleuchter.

Hier soll Friedrich Hölderlin gearbeitet und unter anderem sein Werk „Hyperion“ begonnen haben. Von der neuen Gedenkstätte für den Dichter war die Hölderlingesellschaft, die ihre Jahrestagung in Waltershausen abhielt, rundweg begeistert. Das Hölderlin Museum reiht sich damit in die anderen Hölderlin-Gedenkstätten wie den Hölderlin Turm in Tübingen, das Romantiker Haus in Jena oder in Bordeaux und in Lauffen am Neckar ein, sagt der Präsident der Hölderlin Gesellschaft, Professor Dr. Ulrich Gaier. Er versprach dem Schlossbesitzer Ulrich Möbius, mitzuhelfen, daß in der kleinen Turmstube auch noch eine Bibliothek mit Werken Hölderlins eingerichtet wird aber auch Büchern, die Hölderlin nachweislich in Waltershausen gelesen hat. Gaier ist emeritierter Professor für deutsche Literatur und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz.. Als Präsident der Hölderlin Gesellschaft, der er seit 2006 vorsteht, verweist er auf die Ziele der Gesellschaft, die die Pflege der Hölderlin Gedenkstätten im Vordergrund sieht. Zwar könne man nicht finanziell helfen, aber doch ideell, sagt der Professor. So war es auch in Waltershausen, wo die Hölderlingesellschaft die Familie Moebius bei der Instandsetzung des Hölderlinzimmers entsprechend beraten hat. Mit im Boot bei der Hölderlin Gedenkstätte war auch der Bezirk Unterfranken, hier besonders Kulturdirektor Professor Dr. Klaus Reder, fügt Ulrich Moebius an.

Die Jahresversammlung habe man auch deshalb nach Waltershausen gelegt, um die Mitglieder auf diese neue Gedenkstätte aufmerksam zu machen. Der Präsident verweist in diesem Zusammenhang auf Waltershausen selbst, das sich mit Hölderlin identifiziert und diese Gedenkstätte unterstützt. Das hatte Bürgermeister Georg Böhm bei seiner Begrüßung heraus gestellt und hierbei auf die Grabfeldallianz und die Themendörfer verwiesen. „Es ist dies ein besonderes Alleinstellungsmerkmal Waltershausens,“ sagt Professor Dr. Ulrich Gaier. Er findet außerdem die Idee hervorragend, daß auch ein Hölderlinweg angelegt werden soll und entsprechende Informationstafeln auf den deutschen Dichter und seine Arbeitsstätten verweisen. „Wir werden als Hölderlingesellschaft gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen,“ versprach Präsident Gaier. Er nennt in diesem Zusammenhang das gute Miteinander mit der Familie Moebius, die es ermöglichte dass Hölderlin Zimmer einzurichten. Als Gesellschaft werde man hier weitere Unterstützung geben, insbesondere was die weitere Ausstattung des Zimmers betrifft. Man werde, wie in den anderen Gedenkstätten nicht versuchen den Raum mit irgendwelchen Gegenständen zu füllen. Gedacht ist im Gegenteil: Gedichte Hölderlins in Rahmen an die Wand zu bekommen oder auch eine kleine Ecke für Besucher einzurichten, wo Besucher in Werken Hölderlins lesen können. Die Hauptgedenkstätte für den Dichter ist übrigens Tübingen mit dem Hölderlin Turm, wo der Dichter fast die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Hinzu kommt eine Gedenkstätte in der Schweiz, wo Hölderlin ebenfalls als Hauslehrer tätig war. Es gibt das Romantikerhaus in Jena. In der Stadt Lauffen am Neckar gibt es viele Dokumente aus der Jugendzeit Hölderlins. Hier in Lauffen ist Hölderlin geboren und aufgewachsen.

Ein weiteres Hölderlinmuseum gibt es in Nürtingen. Hier ist Hölderlin aufgewachsen und hat hier die entsprechenden Schulen absolviert. Schön wäre es, so der Präsident der Hölderlingesellschaft, wenn sich Waltershausen entschließen können sich den Zusatz „Hölderlindorf“ zu geben. Bei der Tagung in Waltershausen war auch der bekannte Schriftsteller Peter Härtling zu Gast. Er hat ein Buch über Hölderlin geschrieben und war deshalb auch in Waltershausen, um sich vor Ort Eindrücke zu verschaffen. Damals hatte die Post das Schloß noch als Erholungsheim eingerichtet und, wie Hertling sagte, mit Hölderlin wenig am Hut. Heute sei das mit der Familie Moebius ganz anders. Gott sei Dank, sagt der Schriftsteller und ist über die Bemühungen das Zimmer in dem Hölderlin wohnte als Gedenkstätte einzurichten, begeistert. Zu Hölderlin und Waltershausen weiß Peter Härtling, daß der hier als Hauslehrer tätig war und sein Zögling ein  Junge war, der nicht gerade einfach zu handhaben war.

„Er hatte schon mehrere Hauslehrer zerschlissen,“ weiß der Schriftsteller. Zu Schloß Waltershausen meint Peter Härtling, das es zwar etwas abseits liege, aber eine wunderschöne Landschaft habe. Heute noch könne man sich gut vorstellen, wie der Dichter Friedrich Hölderlin hier gelebt und gearbeitet hat, in dieser Abgeschiedenheit. Hier könne man sich durchaus vorstellen, daß das kleine Museum ebenso gut ankommt, wie der geplante Wanderweg. Von  dem damals 25-Jährigen Hölderlin weiß der Schriftsteller, daß er in Waltershausen mit Wilhelmine Kirms, Gesellschafterin der Schlossbesitzerin Charlotte von Kalb und mit 22 Jahren bereits Witwe, eine Dame gefunden hatte, die er sehr liebte und von der er eventuell eine Tochter hatte. Bekannt sei auch, daß Hölderlin sich in Waltershausen wohl nicht sehr wohlfühlte. Einer habe ihn jedoch im Dorf gehalten, das sei der damalige Ortspfarrer gewesen, mit dem Hölderlin sich sehr gut verstand. Charlotte von Kalb, die Besitzerin des Schlosses, sei den Umgang mit Dichtern gewohnt gewesen, war aber selten auf dem Schloss. Von Hölderlin aber war sie begeistert und prägte den Satz: „Hölderlin ist ein Rad, das allzu schnell läuft.“  Ein ganz hellsichtiger Satz, der das Wesen des Dichters beschreibt, fügt der Schriftsteller an.   Bildunterzeile Hier in diesem Turmzimmer hat der Dichter Friedrich Hölderlin in den Jahren 173 bis 1795 gelebt und hier auch sein Werk  „Hyperion“ begonnen haben. Die Familie Moebius, die das Schloß besitzt, hat das Hölderlinzimmer liebevoll im Stil der damaligen Zeit eingerichtet. Foto: Friedrich In Schloß Waltershausen traf sich am Wochenende die Hölderlingesellschaft. Mit dabei natürlich der Präsident der Gesellschaft, Professor Dr. Ulrich Gaier (rechts), sowie der bekannte Schriftsteller Peter Härtling. Unser Bild zeigt sie gemeinsam mit Schlossbesitzer Ulrich Moebius (links), der die Idee zur Hölderlin Gedenkstätte hatte. Foto: Friedrich 

 
Geschichte des Burschenvereins PDF Drucken E-Mail

Der Junggesellenklub ist ein ganz wichtiger Kulturträger

Zahlreiche Aktivitäten für die Gemeinschaft in 30 Jahren

 

Alsleben (hf). Feste gibt es derzeit viele in Unterfranken und auch an diesem Wochenende wurde wieder allerotens gefeiert. Mit dabei auch der Burschenverein von Alsleben im Grabfeld. Der besteht seit 30 Jahren. Das Dorf Alsleben hat etwas mehr als 500 Einwohner und – sage und schreibe:  50 Junggesellen und da sind auch ein paar „Altgediente“ dabei. Gründungsmitglieder zum Beispiel, die bis heute noch nicht verheiratet sind.

 

Arthur Heinlein gehört mit seinen  59 Jahren zum Urgestein des Junggesellenclubs von Alsleben. Er war einst Gründungsmitglied und – ist bis heute Unverheiratet. Warum? Der

59-Jährige lacht und meint, daß der Junggesellenclub dafür sorge, daß er jung bleibt. „Die Verheirateten, die haben schon graue Haare, ich nicht,“ fügt er an. Auch Vorsitzender Michael Neugebauer ist nach wie vor unverheiratet und wird es wohl auch noch eine Zeitlang bleiben, wie er sagt. Schmunzelnd erklärt er: „Das Junggesellensein hat schon etwas für sich, vielleicht ist es ja auch zu schön.“ Man stehe in jungen Jahren in Saft und Kraft fügt sein Stellvertreter an.

 

Woran es liegt, daß 50 Unverheiratete sich dem Verein angeschlossen haben? Ganz klar, sagt der Vorstand: Hier sei zunächst der jährliche Nachwuchs zu sehen, denn ab 16 Jahren kann man dem Verein beitreten. Dann sei es vor allem die Kameradschaft, die gepflegt wird, zu kurz komme aber auch nicht das Brauchtum. Der Burschenverein ist alljählich zuständig für das Maibaumaufstellen oder auch das Maifeuer und vieles mehr. Es gehe darum, sich für die Gemeinde und für die Gemeinschaft einzubringen und das sei in Alsleben seit 30 Jahren nun selbstverständlich.

 

Wer nämlich glaubt, der Burschenverein von Alsleben, der sei so eine Art Saufverein, der irrt gewaltig. Arthur Heinlein verweist darauf, daß dies zu Anfang die Meinung vieler Dorfbewohner war. Dann habe man jedoch gezeigt, daß es ganz anders ist. So gestaltete man Fest und übergab den Erlös an gemeindliche Einrichtungen oder Vereine. Der Kinderspielplatz wurde mit gestaltet, ein Sitz für ein Kleinkind gebaut, die Lichterkette für den Weihnachtsbaum spendiert oder auch ein Fernseher für das Sportheim. Erst kürzlich konnte der Burschenverein die neuen Ortsbegrüßungstafeln an die Gemeinde übergeben. Diese hatte man selbst gebaut,  wobei die Kommune das Material zur Verfügung stellte.

 

Kein Wunder das Bürgermeister Kurt Mauer begeistert ist und den Burschenverein eine wichtige kulturelle Einrichtung in der Gemeinde nennt. Woran aber liegt es denn, daß der mehr als 500 Einwohner zählende Ort Alsleben über eine solche große Anzahl an Junggesellen verfügt, fehlen da die Mädels im Ort?  Kurt Mauer lacht und meint, daß es ganz sicher nicht an den Mädels liege, die habe man schon im Ort. Außerdem würden Burschen auch ihre Mädchen in den angrenzenden Ortschaften im Grabfeld finden. Spontan gab der Bürgermeister seine noch freien Termine für Trauungen bekannt. Letzter Termin sei der Silvesternachmittag. Im vergangenen Jahr habe er doch einige Trauungen gehabt. Das könne heuer wieder genau so werden.

 

Kann – aber muß nicht, sagt Burschenvereinsvorsitzender Michael Neugebauer, obwohl eine Hochzeit dem Burschenverein auch etwas bringt: Nämlich die Auszugsprämie. Das bedeutet, daß der Burschenverein am Hochzeitstag mit einem Leiterwägelchen anrückt, auf dem ein Fässchen Bier ist. Das Brautpaar muß dann einen Birkenstamm zersägen, es gibt drei Salutschüsse aus einer Kanone und dann muß der Bräutigam auf das Fässchen seinen Ausstand in Liter Bier anzeigen. Das wiederum wird dann bei der Weihnachtsfeier getrunken, lacht Michael Neugebauer. Und was sagen die Alslebener Mädchen zu den schmucken Burschen? Es stimme durchaus, daß sie recht schmuck sind. Der eine oder andere allerdings, sei wohl nicht mehr allzu lange beim Verein, meint eines der Alslebener Mädchen.

 

Paul Pannek ist seit vielen Jahren verheiratet, gehörte aber auch einmal dem Verein an. Hat er es bereut, das Junggesellenleben aufzugeben? Auf keinen Fall, meint er. Das Junggesellenleben sei zwar recht schön gewesen, aber verheiratet sein, daß sei doch etwas ganz anderes. „Familie ist doch schöner,“ fügt er an. Sollten Sie übrigens demnächst einen jungen Burschen sehen, der im Nackenbereich die Buchstaben BVA einrasiert hat, wissen Sie, der kommt aus Alsleben. BVA bedeutet nämlich Burschenverein Alsleben. Die Jungen hätten die Idee gehabt und da habe man halt mitgemacht, lacht der Vorsitzende des Burschenvereins. Schließlich würden die Haare ja wieder nachwachsen.

  

Bildunterzeile

 

Beim kleinen Festzug durch den Ort hatten die Mitglieder des Burschenvereins Alsleben auch das Leiterwägelchen mit dem Fässchen dabei. Das wird vor allem bei Hochzeiten gebraucht. Foto: Friedrich

 Gruppen aus dem ganzen Landkreis Rhön-Grabfeld waren am Wochenende nach Alsleben gekommen, um hier das 30-Jährige Bestehen des örtlichen Burschenvereins mit zu feiern. Foto: Friedrich
 
Finnen in Königshofen PDF Drucken E-Mail

Nachkommen der finnischen Besatzungsmacht von 1631 erkundeten die einstige Festungsstadt Bad Königshofen 

Bad Königshofen (hf). Mit drei Böllerschüssen aus einer mittelalterlichen Kanone wurde am Dienstag eine 40köpfige Abordnung aus Finnland vor dem Bad Königshofener Rathaus begrüßt. Die Kanone stammte übrigens noch aus der Zeit, als eine finnische Besatzung in Königshofen war, nämlich von 1631 bis 1634. Im historischen Rathaussaal kredenze Bürgermeister Clemens Behr dann Frankenwein und hatte für die Gäste aus dem hohen Norden noch eine ganz besondere Überraschung parat.

Er hieß sie nämlich in ihrer Landessprache willkommen. Wenn es auch die umstehenden Königshöfer nicht verstanden, die Gäste aus Finnland wussten, dass sie in Bad Königshofen ganz herzlich willkommen sind. Das betonte Behr denn auch anschließend, als er kurz an die Zeit von 1631 als Schwedenkönig Gustav Adolf in die Festungsstadt einmarschierte und hier eine finnische Besatzung zurückließ. Darauf verweise unter anderem ein Buch aus der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V., sowie Ausstellungen einer Schülergruppe des Gymnasiums und die finnisch-fränkische Saunalandschaft im Kurzentrum.

Anhand der Forschungen von Detlev Pleiß, einem Forscher, der in Finnland lebt, und dem Heimatforscher Leo W. Hamm aus Merkershausen, fand man nämlich heraus, dass die finnischen Besatzer damals in Königshofen Rauchsaunen bauten, also die ersten original finnischen Saunen in Deutschland. Davon profitiere heute noch der Kurbetrieb. Daß es Verbindungen zwischen Bad Königshofen und Finnland gibt stellte Behr ebenfalls heraus, Er nannte Beziehungen in Eyershausen und in Bad Königshofen. Kurz stellte er dann die Stadt Bad Königshofen als Schul- und Einkaufszentrum vor und verwies auf den Mittelstand und die Handwerksberufe, die es hier noch gibt.

Der Traditionsmajor der finnischen Truppe, Karikira, dankte dem Stadtoberhaupt für die freundlichen Worte und meinte, man sei diesmal ohne Waffen in die Stadt gekommen, habe sich aber über die donnernde Begrüßung sehr gefreut. Die Finnen, die sich auf einer Reise zum Lech befinden, dort wo einst die Finnen zur Schwedenzeit kämpften, hätten von Detlev Pleiß von Bad Königshofen erfahren und, dass hier die einzige rein finnische Besatzungsmacht in Deutschland war. Da sei es klar gewesen, dass man hier her kommt. Karikira gab zu, dass er vor zwei Jahren selbst in Bad Königshofen war, um sich die Stadt anzusehen. „Es hat mir so gut gefallen, dass wir nun in dieser großen Menge gekommen sind“, meinte er.

Man habe Erkundigungen eingezogen, meinte Detlev Pleiß dazu, so wie das in Finnland üblich ist. Der „Spähertrupp“ sei allerdings von der Wirtin der Pension „Bianca“ enttarnt worden, weil sie mit einem Zeitungsausschnitt durch die Stadt gingen und das Hotel Schlundhaus suchten. Karikira dankte Bürgermeister Behr für den großartigen Empfang und hatte ein besonderes Geschenk parat: Die Nachbildung einer Tischflagge, die einst in Bad Königshofen wehte, als die Finnen in der Stadt waren. Diese Flagge ist ein Unicat und wurde extra für den Besuch in Bad Königshofen nach alten Unterlagen gefertigt. Sie zeigt in auf gelbem Feld eine Armbrust, umgeben von schwarzen Schlangenlinien. Außerdem erhielt Behr einen Erinnerungsteller, ebenso wie Schulamtsdirektor a.D. Leo W. Hamm.

Bürgermeister Clemens Behr seinerseits überreichte an den finnischen Traditionsmajor das Bad Königshofener Stadtwappen, und an Detlev Pleiß die silberne Plakette von Bad Königshofen. Im Anschluß an den offiziellen Teil gabs dann noch ein gemütliches Beisammensein im Rathaussaal, wobei natürlich die Informationen an erster Stelle standen. Für viele der Teilnehmer war übrigens schnell klar, dass sie wieder einmal hier her kommen werden. „Es ist eine schöne Stadt, die uns sehr gut gefällt“. Zur Begrüßung mit drei Kanonenschlägen meinte Karikira: „Da war eine feine Sache aber doch sehr lärmig.“

Vor dem Bad Königshofener Rathaus wurden am Dienstagnachmittag 40 Finnen begrüßt. Sie kommen von der Savolaxer Seenplatte, also von dort, wo auch die Besatzer von 1631 zu Hause waren. Über ein Buch des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V. und den finnischen Forscher Detlev Pleiss wurde dieser Besuch in die Wege geleitet. Foto: FriedrichDer Traditionsmajor der finnischen Truppen Karikira überreichte an Bürgermeister Clemens Behr die Nachbildung einer Truppenfahne, die die finnische Besatzungsmacht 1631 in Königshofen mit sich führte.

 

 
Geschichte der Dreikönige PDF Drucken E-Mail

Vor 60 Jahren: sangen die Dreikönige auch auf der Straße und „malten“ sich das Gesicht noch mit Ofenruß schwarz an

Bad Königshofen (hf). Engelbert Weber, einst Mesner und Türmer der Bad Königshofener Stadtpfarrkirche schmunzelt, fragt man ihn nach dem Dreikönigsbrauch, als er im Jahr 1947 unterwegs war. Weber selbst war Sternträger die Dreikönige waren Fritz Schunk, Günter Laubender und Gerhard Dippert. Den Stern borgten sich die Königshofener im zehn Kilometer entfernten Sternberg von Pfarrer Regmann. Erst drei Jahre später bastelte sich die Jugendgruppe einen eigenen Dreikönigsstern. Der war noch bis in den 70er Jahren in Gebrauch und zeigte in einem Scherenschnitt die Krippe mit Maria und Josef und dem Jesuskind.

„Damals war natürlich alles ganz anders“, sagt Engelbert Weber. Da gabs nicht wie heute dieses feierliche Aussenden der Sternsinger im Rahmen eines Gottesdienstes. Der Brauch wurde von der katholischen Jugendgruppe getragen und so um Weihnachten herum machte man in einer Gruppenstunde aus, wer in diesem Jahr an Dreikönig durch die Stadt geht. „Da wurden vier Leute bestimmt und die lernten dann unter Anleitung von Fräulein Schineller die Texte und übten die Lieder ein“, erinnert sich Engelbert Weber.

1947 trat Fritz Schunk als Kaspar auf, Günter Laubender war der Melchior und Gerhard Dippert der Balthasar. Weber fungierte als Sternträger. Für die Ausstattung war jeder selbst verantwortlich. Natürlich hatte man nicht die Kleider wie heute. Da genügte ein weißes Bettuch oder ein farbiger Umhang. Der Sternträger war mit einem schwarzen Mantel bekleidet. Er hatte die Möglichkeit den großen Stern, der auf einem Besenstil befestigt war, von innen zu beleuchten: Mit drei Kerzen, versteht sich.

Den Königshofenern war dies aber zu gefährlich, schließlich könnte der ausgeliehene Stern bei einer falschen Bewegung Feuer fangen. Sie bastelten deshalb mit einer Batterie und Fahrradbirnchen eine eigene Beleuchtung in den Sternberger Stern und zogen so durch die Stadt. Beim eigenen Stern, der 1950 erstmals im Einsatz war, wurde dies dann fest installiert. Mehrere Birnchen erhellten den aus Sperrholz ausgesägten Stern, der im Scherenschnitt weihnachtliche Motive zeigte. Am Griff war eine Vorrichtung angebracht, in die die Batterien gesteckt wurden. Mit einem Knopfdruck konnte man die Beleuchtung an- und wieder abschalten.

Natürlich „malten“ sich die Dreikönige auch an. Die schwarze Farbe bekam König Kaspar vom Ofenruß. Damit dieser nicht in die Poren eindrang, wurden Gesicht und Hals zunächst mit Niveacreme behandelt und dann der Ruß aufgetragen. Ein dunkles Halstuch sorgte dafür, daß die Kleider nicht schwarz wurden. „Es war schon eine recht lustige Sache“, sagt Engelbert Weber heute rückblickend. Am Abend, so gegen 19 Uhr traf man sich dann an der Stadtpfarrkirche und von dort aus gings los.

Erste Station war am Juliusspital, dann im Bereich des Anwesens Wiener in der Kellereistraße und an der Kreuzung „Kindergarten-Kloster“. Die Dreikönige gingen übrigens nicht in die Häuser, sondern sangen mitten auf der Straße. Von Bürgern, die Kaspar, Balthasar oder auch Melchior hießen, gabs dann jeweils ein besonderes Ständchen vorm Haus. Die wiederum dankten mit einem kleinen Geldpräsent. Wie viel kam da zusammen? Engelbert Weber lacht: Höchstens acht bis zehn Mark und die gaben wir im Pfarramt ab, sie waren für die Kirchenkasse bestimmt. Vom Kloster gings dann durchs Klostergässchen in die Schottstraße zum Elisabethaspital, wo erneut Halt gemacht wurde. Dann, nach rund einer Stunde hatten es die Dreikönige schon geschafft. Letzter Auftritt war am Kornstein auf dem Marktplatz.

Auf Anhieb erinnert sich Engelbert Weber noch an die Verse. Die haben sich bis heute nicht geändert. Was hatte er damals, als 16jähriger zu sagen? Nur kurz denkt Weber nach dann hat er den Text wieder im Gedächtnis: „Vielliebe Leut`macht auf die Herzen, wir bringen das Licht der Weihnachtskerzen...“ Welche Lieder die Dreikönige damals sangen? Auch das ist für Engelbert Weber keine Frage: „Wachet auf...“, „Leise, leise...“ aus der Freischütz und passende Kirchenlieder. Dabei hatte die Dreikönige ein Weihrauchfaß, das Schiffchen mit den Weihrauchkörnern und eine Zigarrenschachtel für die Spenden. Die war natürlich ganz mit Goldpapier beklebt.

Mitmachen durfte man bei den Dreikönigen übrigens bis zum 20. Lebensjahr. Dann kam der „Nachwuchs“ dran. Insgesamt, dessen ist sich der einst in Ipthausen wohnende Engelbert Weber heute ganz sicher, „war es eine schöne Zeit und wir hatten auch Spaß dabei“. Die Sternsingergruppen, wie sie nun durch die Stadt ziehen, kamen übrigens erst nach den 50er Jahren auf. Damals war Karl Merz Stadtpfarrer von Bad Königshofen. Ein Geistlicher, der dann auch einführte, daß die Sternsinger in jedes Haus gingen und, so wie heute noch, den Segen Gottes für das neue Jahr überbringen. Auch zu dieser Zeit wurden am Abend zuvor noch diejenigen besucht die Kaspar, Balthasar oder Melchior hießen. Kaspar, hieß zum Beispiel der damalige Bürgermeister von Bad Königshofen, Kaspar Lurz.

Die Dreikönige der 60er Jahre. Danals gab es schon zwei Gruppen. Unter Stadtpfarrer und Dekan Karl Merz wurden sie in der Stadtpfarrkirche im Rahmen einer Andacht ausgesandt. Der Chorraum der Kirche war zum Weihnachtsfest ganz besonders geschmückt. Vier, rund 20 Meter lange, aus echten Fichten- und Tannenzweigen geflochtene Girlanden, hingen vom Gewölbe des Chorraumes, in der Mitte war ein großer Stern, der eine beleuchtete Krippe zeigte. Repro: Foto: Friedrich

 
Histsorischer Kirchenspieß PDF Drucken E-Mail
Kreisheimat und –archivpfleger entdeckt historischen Kirchenspieß

Viel Lob für das neugestaltete Heimatjahrbuch des Landkreises

Sternberg (hf). Es war ein Zufall, daß Kreisheimat und –Archivpfleger Reinhold Albert im Gemeindearchiv von Waltershausen einen in einer Ecke stehenden historischen Kirchenspieß, den einst die örtlichen Kirchenwächter während des Gottesdienstes mitführten, entdeckte. Der Stiel, auf dem sich über Jahrhunderte die Träger mit ihrem Monogram verewigten, war durch Holzwurmbefall derart geschädigt, dass er unmittelbar vor dem Verfall stand. Nachdem gerade eine Begasung in der Pfarrkirche Sternberg stattfand, legte Albert den Spieß mit in die Kirche, so dass dieser vor dem endgültigen Verderben bewahrt werden konnte.

Davon berichtet der Kreisheimat und –archivpfleger ebenso, wie er auf eine Vielzahl seiner Tätigkeiten verweist. Für diese ehrenamtlichen Tätigkeiten opferte er nicht nur viele Freizeitstunden, sondern fuhr mit dem Pkw rund 5.500 Kilometer. Albert dankt in seinem Jahresbericht allen, die ihn bei den Aktivitäten unterstützten. Besonderer Dank gilt Landrat Thomas Habermann und seinen Mitarbeitern, die stets ein offenes Ohr für die Belange der Heimat- und Archivpflege haben und ihn ebenso vorbildlich unterstützen, wie Oberkonservatorin Dr. Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege, Archivoberrätin Dr. Ingrid Heeg-Engelhart vom Staatsarchiv Würzburg sowie Bezirksheimatpfleger Dr. Klaus Reder und seine Mitarbeiter.

Nach dem Tod des langjährigen Schriftleiters des Heimatjahrbuchs Rhön-Grabfeld, Josef Kuhn, übernahm Reinhold Albert im Frühjahr 2006 diese Aufgabe. Als Schriftleiter arbeitete er eng mit Kreiskulturreferent Hanns Friedrich und Kreisheimatpfleger Stefan Kritzer zusammen. Die Resonanz des neugestalteten Buches war erfreulich. Vor allem die neue Innengestaltung stieß auf viel Lob, ebenso die Farbbildseiten und die Auswahl der Themen. Der Kreisheimat- und archivpfleger war aber auch mit in das Ausstellungskonzeptes für das im Frühsommer in Bad Königshofen eröffnete „Museum für Grenzgänger –Nachbarn im Grabfeld“ eingebunden. Hier stellte er zahlreiche Fotografien zum Thema „Innerdeutschen Grenze aus der Zeit von 1945 bis zur Wiedervereinigung 1990“ zur Verfügung. Sein umfangreiches heimatkundliches Archiv wurde auch den Initiatoren der „Grabfeldallianz“ geöffnet und diese mit Rat und Tat unterstützt. 
Albert arbeitete aber auch bei der Erstellung der von Dr. Birgit Speckle konzipierten Wanderausstellung über die Poststellen in Unterfranken mit.

Auf Initiative des ehemaligen Leiters der Archäologischen Arbeitsgruppe Rhön-Grabfeld, Walter Jahn, und Reinhold Alberts gibt es dank Unterstützung von Landrat Habermann und seinen Mitarbeitern seit 2006 ein besonderes Archiv im Landkreis Rhön-Grabfeld: Archäologische Funde, die bis 5000 v. Chr. zurückreichen, lagern nunmehr in einem Kelleraum des Landratsamtes (wir beridchteten). Die Arbeitsgruppe hat seit 1968 bei Rettungsgrabungen an 43 vorgeschichtliche Siedlungen und 46 Gräberfeldern zahlreiche Fundstücke geborgen. Eine zentrale Lagerung im Landkreis war stets von den Verantwortlichen gewünscht, um so die Funde zur weiteren Bearbeitung für Prähistoriker, Studenten und Wissenschaftler, aber auch für Sonderausstellungen in den Museen des Landkreises zur Verfügung zu haben. In Nordheim vor der Rhön erforschte Albert die Geschichte des im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges 1640 zerstörten Bahrators, auf dessen Grundmauern Eugen Suckfüll bei Arbeiten an seinem Wohnhaus in der Sondheimer Straße stieß. Auch hier berichteten wir bereits ausführlich.

Reinhild Albert referierte in vielen Vorträgen unter anderem zu den Themen Fastnachtsbrauchtum in Rhön und Grabfeld, Burgen und Schlösser unserer Heimat sowie zur Geschichte der innerdeutschen Grenze. Ziel von Führungen waren der Judenhügel bei Kleinbardorf sowie die Steinsburg bei Römhild. Im Juli führte Albert eine Gruppe aus Würzburg und Umgebung durch den Landkreis Rhön-Grabfeld. Es wurden die Burgen und Schlösser in Sternberg, Brennhausen, Breitensee, Waltershausen, Irmelshausen und Mühlfeld besichtigt, ebenso Bad Königshofen und Mellrichstadt, wo abschließend die Kreisgalerie besucht wurde. Reinhold Albert nahm an der Tagung der unterfränkischen Kreisheimatpfleger auf dem Schwanberg bei Kitzingen sowie an der 500-Jahrfeier in Schmalwasser teil, für das er 2005 mit Unterstützung des Ortschronisten, Günter Metz, eine umfangreiche Chronik verfasst hatte. Außerdem war er beim Sommerempfang des Bayer. Landtagspräsidenten im Schloss Oberschleißheim bei.

Das von Kreisarchivpfleger, Herbert Merkl, mustergültig geordnete Gemeindearchiv seiner Heimatgemeinde Waltershausen wird auf Wunsch der Gemeinde Saal künftig im Rathaus der Gemeinde Saal aufbewahrt. Beim Umzug entdeckte der Kreisheimatpfleger einen bisher unbeachtet in der Ecke stehenden historischen Kirchenspieß, den einst die örtlichen Kirchenwächter während des Gottesdienstes mitführten. Falls es in Saal keine Möglichkeiten gibt, könnte der Spieß als Leihgabe dem im vergangenen Jahr in der ehemaligen Spitalkirche in Bad Windsheim neu eröffneten „Museum Kirche in Franken“ zur Verfügung gestellt werden. Albert schrieb aber auch für das Handbuch des Instituts für Bayerische Geschichte der Universität München. Weiterer Autor aus dem Landkreis ist Dr. Heinrich Wagner (Heustreu). In dem 650 Seiten umfassenden Werk werden aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld vorgestellt: Bad Königshofen, Bad Neustadt, Bischofsheim, Fladungen, Ostheim v.d. Rhön, Salz, Unsleben, Brendlorenzen, Irmelshausen, Völkershausen und Wildberg.

Auch 2006 erschien unter Schriftleitung von Schulamtsdirektor Leo W. Hamm und Reinhold Albert das 24 Seiten umfassende Heimatblatt des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld, „Das Grabfeld“. Wie üblich, waren zahlreiche Anfragen zu Geschichte und Brauchtum in seinem Zuständigkeitsbereich zu beantworten sowie Behördentermine mit Oberkonservatorin Dr. Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege sowie Kreisbaumeister Herbert Bötsch wahrzunehmen, bei denen der Erhalt denkmalgeschützter Objekte besprochen wurde. Sowohl der Bad Neustädter Stadtteil Löhrieth als auch der Hendunger Gemeindeteil Rappershausen feiern 2008 ihre urkundliche Ersterwähnung vor 850 Jahren. Hier wird Reinhold Albert die Ortschroniken schreiben, die voraussichtlich im November diesen Jahres erscheinen. In diesem Jahr soll auch in zweiter Auflage das von Elfriede Herda (Ostheim) und Reinhold Albert erstellte und von der Stadt Ostheim/Rhön herausgegebene Ansichtskartenbuch von Ostheim vor der Rhön erscheinen. Als ein Großprojekt ist die 2008 im Landkreis Rhön-Grabfeld, und zwar in Ostheim, stattfindende Tagung der unterfränkischen Stadt- und Kreisheimatpfleger zu bezeichnen, die Albert gemeinsam mit dem Bezirksheimatpfleger organisieren ausgestalten wird. 

Gerettet: Ein historischer Kirchenspieß, der vor vielen Jahren noch in Waltershausen seinen Zweck erfüllte. Dort gingen sogenannte „Kirchenwächter“ während des sonntäglichen Gottesdienstes durch das Dorf und bewachten die Häuser und Ställe, während die Bewohner in der Sonntagsmesse waren. Foto: Friedrich

 
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