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Buchbesprechungen
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Buchbesprechung - Atemschaukel |
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Herta Müller schreibt in ihrem Roman "Atemschaukel" über die Deportation der Rumäniendeutschen aus dem Banat und Siebenbürgen in die Sowjetunion nach 1945. Atemschaukel ist ein betroffen machender Roman, wie er selten in der modernen europäischen Literatur zu finden ist. Es ist ein irritierendes Meisterwerk, mutig, als ob jemand aus der Hölle in einer ganz eigenen Sprache berichtet. Der Roman ist in 64 kurze Abschnitte geteilt, jedes Kapitel beschreibt ein Revier des Lagers. Müller hat für die "Atemschaukel" mit den Deportierten ihres Ortes gesprochen, vor allem aber hat sie sich von Oskar Pastior, der als Junge in die Sowjetunion deportiert wurde, vom Lager erzählen lassen. Es sollte ein gemeinsames Buch werden, doch nach dessen Tod im Herbst 2006 musste Müller ihre Notizen und Pläne alleine in einem Buch vollenden. Müller, 1953 in Nitzkydorf im Banat geboren, schreibt über das Lager Nowo-Gorlowka. Der Roman beginnt in der Nacht zum 15. Januar 1945. In der Festhalle hat eine große Anzahl von Deutschen einfinden müssen. Leopold Auberg, der Protagonist des Romans, muss die Familie und Hermannstadt verlassen. Durch seine von ihm ausgelebte Homosexualität hat er sich strafbar verhalten; er fürchtet seine Entdeckung, nun wird er am Bahnhof mit anderen in Viehwaggons gesteckt, die Fahrt dauert zwölf Tage, ohne dass der Zug länger stehen bleibt.
Müller berichtet in dem erschütternden Roman vom Hunger, an dem so viele starben. Im Lager sitzt der Hungerengel immer mit am Tisch, wenn die Insassen des Lagers die knappe Ration Brot verzehren, die ihnen die "Brot-Offizierin" zugeteilt hat, beklemmend langsam essen die einen, verzweifelt schlucken die anderen; der Hungerengel behütet ihren Schlaf, er geht durch ihre Träume, begleitet sie in die Fabrik, wo sie schuften, bis sie umfallen und in die Grube abgekippt werden oder sich irgendwie aufrecht halten, um dann bis zum nächsten Tag in ihre Baracken zurückzukehren. Sie sind Sträflinge, ohne je verurteilt worden zu sein, und wissen eingangs nicht einmal, an welchem Ort der russischen Steppe sie sich genau befinden und wie lange ihre Strafe dauern wird. Erst nach fünf Jahren, 1950, ist die Haft für die, die nicht in die "Mörtelgrube" sprangen, nicht erschossen wurden, nicht verhungerten, vorbei. Dann kehren sie nach Hause zurück aber sie werden niemandem erzählen können, was ihnen passiert ist. Selbst wenn sie es schaffen, die Schuldgefühle zu überwinden und über die Jahre der Qualen berichten möchten, finden sie keinen, der ihnen zuhört. Denn in ganz Rumänien, das sich dem großen kommunistischen Bruder Russland geschlagen geben musste, wird über die Vergangenheit geschwiegen. Im Zweiten Weltkrieg stand der Banat auf der Seite Nazideutschlands und das wird nun gerächt. Im Winter 1945 wurden Abertausende Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben in die Sowjetunion verschleppt. Die Rote Armee brauchte sie als Menschenmaterial, das im Wiederaufbau der zerstörten Sowjetunion gute Dienste tun sollte. In bestimmten Regionen waren es alle Frauen und Männer zwischen 17 und 45 Jahren, die verschleppt wurden, die in Kolchosen, Kombinaten und Bergwerken als Zwangsarbeiter arbeiten mussten. Unzählige von ihnen sind krepiert und in vielen Gräbern einfach verscharrt worden. Doch ihr Schicksal blieb auch dann noch unaussprechlich, als das kommunistische Rumänien ein wenig Unabhängigkeit gegenüber der Sowjetunion erlangte. Wer an die Verbrechen erinnern wollte, musste auch daran erinnern, dass Rumänien einmal ein faschistischer Staat war. Herta Müller, die nie verschwieg, dass auch viele Sachsen und Schwaben in den Nationalsozialismus verwickelt waren, hat nun denen eine Stimme gegeben, über deren Schicksal so lange geschwiegen wurde. Ihr neuer Roman erzählt von dem großen Unrecht, das den Banater Schwaben und Siebenbürgener Sachsen angetan wurde. Sie berichtet von deren Demütigung im Lager, in dem jeder zur Bestie wurde. |
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